Grundlagen des Leidens

Das Gefühl 

Das Gefühl geht von uns aus und nicht von den Gegenständen, auf die es gerichtet ist und die es auszulösen scheinen.


Gefühl ist immer Ausdruck des Verhältnisses, das man zur Welt einnimmt, und keine Aussage über den Gegenstand oder das Ereignis, welches das Gefühl auslöst.

 

Mit der Feststellung, daß etwas von meinem Interesse oder meiner Moral abweicht, entsteht ein unangenehmes Gefühl. Mit der Übereinstimmung meiner Interessen mit der Wirklichkeit, entsteht ein angenehmes Gefühl.


Die Heftigkeit des Gefühls wird dadurch bestimmt, wie wichtig mir eine Angelegenheit ist und zusätzlich von den aus der Vergangenheit gespeicherten Gefühlen, die zusammen zu Überreaktionen führen können, die sich kaum noch beherrschen lassen.

 

Tritt ein Gefühl unerwartet auf, so ist es schon zur Gewohnheit geworden.

 

 

 

 

 

 

Die Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Aufmerksamkeit des Geistes auf das, was im Hier und Jetzt stattfindet.

 

Achtsamkeit geschieht immer im Hier und Jetzt!


Konzentration ist die Richtung und die Kraft, mit der wir diese Achtsamkeit ausüben.

 

Der Gedanke

Zum Denken brauchen wir Sprache. Die unmittelbare Wirklichkeit des Gedankens ist die Sprache.

 

Den Inhalt unserer Gedanken bestimmen wir selbst, mit unserem Interesse, dem wir nachgehen können, oder auch nicht.

 

Wir können die Welt im Inneren und Außen analysieren, sorgfältig nachdenken und so objektive Erkenntnisse gewinnen.
Wir können, entsprechend unserer Gedanken und Interessen, einen Willen bilden und Handeln.


Wenn es der Inhalt des Willens ist, nicht nach den Gedanken, sondern nach unserem Gefühl zu handeln, geht auch dies und wenn wir uns für Moral entscheiden, so kann auch jene unser Handeln bestimmen. 

 

Das Gefühl gibt nur Auskunft über uns und nicht über den Gegenstand. Moral jedoch ist reine Einbildung, die die Welt besser machen soll, aber nicht kann.

 

 

Die Ablenkung

Ablenkung geschieht, indem unser Geist etwas ganz Anderes, ungefragt und unerwünscht in den Vordergrund unserer Aufmerksamkeit schiebt.

 

Es ist die Beschäftigung des Geistes mit Dingen, die sich außerhalb der Gegenwart befinden, also in Vergangenheit oder Zukunft.

Warum die Ablenkung uns Leiden macht

Was uns als Ablenkung von der Aufmerksamkeit beschäftigt, sind Erlebnisse aus der Vergangenheit, die uns sehr wichtig waren und darum mit viel Gefühl verbunden sind und die, und genau das macht die Ablenkung, keine befriedigende Lösung gefunden haben.

 

Was solche Vorstellungen so leidvoll macht, sind die Umstände ihrer Entstehung in den realen Verhältnissen unseres Lebens!

 

Als Kinder waren wir zu schwach und zu abhängig, um uns gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Später war es die Macht der Lehrer, die uns wehrlos machte, der Chef oder der Kollege, das Amt oder der Beamte. Wir hungern nach gerechtem Ausgleich, Rechtfertigung. Rache!

 

Viele Wünsche bleiben unerfüllt in dieser Welt, in der Geld über die Möglichkeiten zu leben entscheidet. Begehren!

 

Wir haben eventuell von einem Partner einiges erdulden müssen, oder Freunde und Kinder erfüllten unsere Erwartungen nicht. Enttäuschung!

 

Lenkt uns die Angst vor der Zukunft ab, sind auch das Ereignisse, die naturgemäß unerledigt sind. 

 

Die Zukunft ist voller realer oder eingebildeter Gefahren, wobei die Einbildung sich auch auf Erfahrungen gründen kann. Angst!

 

Die Sehnsucht nach angenehmen Zuständen, so lange sie unerfüllt bleibt, ist leidvoll. Und wo viele Ideale sind, darüber wie die Welt und die Menschen sein sollten, kann die Wirklichkeit uns nur enttäuschen. Tagtraum!

 

All diese unerfüllten Wünsche und Träume, führen zu mehr und mehr Leiden.

 

Die Ablenkung ist eine wundervolle Einrichtung des Geistes

Rücksichtslos gegenüber dem Gegenstand unserer Aufmerksamkeit in einem beliebigen Moment, schiebt unser Geist ein Thema seiner Wahl in den Vordergrund unseres Bewusstseins. Mit Bild, Ton und gleichzeitig noch großem Gefühl, werden wir abgelenkt!

 

Doch diese Ablenkung ist nützlich, weiß unser Geist, denn das Thema, welches mit der Ablenkung aufkommt, ist uns sehr wichtig. Es ist wichtig, denn es war und ist mit viel Gefühl verbunden! Oft mit sehr viel Gefühl! Und die Sache um die es dabei geht, ist noch immer nicht zu unserer Zufriedenheit beendet!

 

Was also könnte nützlicher sein, als daß unser Geist uns ein solch wichtiges Thema immer wieder in den Vordergrund unserer Aufmerksamkeit schiebt, und uns auf diese Weise radikal daran erinnert?

 

 

 

 

Die schmerzhafte Kraft

Die Kraft solches in den Vordergrund unserer Gedanken zu zwingen, die Energie aus dem Ursprungsgefühl, speichert der Körper in  den Faszien. Diese Spannung bemerken wir, wenn wir mit Ungerechtigkeiten konfrontiert werden schon als Spannung im Körper. Das ist die Energie, uns da raus zu helfen. Aber wir unterdrücken diese Gefühle. Die Spannung verbleibt tief in den Faszien. Und je älter wir werden, desto mehr Spannung baut sich auf. Die Ärzte sagen was anderes, aber die Verspannungen des Körpers sind alle seelischer Natur. Wenn die Wirbel klemmen oder aus ihrer natürlichen Lage springen, wenn der Rücken schon krumm wird, der Hals sich fixiert, die Hüfte nicht mehr drehen will ...

 

Ich habe das alles bei mir schon wieder auflösen können, mit Körperachtsamkeit, Vipassana.

Wie funktionert die Körperachtsamkeit und warum ist der durch sie erreichte Frieden dauerhaft

Wenn wir auf den Körper achtsam sind, auf die Erscheinungen, die wir auf oder in ihm wahrnehmen, werden wir sehr schnell wieder abgelenkt. Von etwas ehemals oder zukünftig wichtigem, verbunden mit starken Gefühlen: Kopfkino .

 

Wenn wir während der Ablenkung, so schnell wie möglich und sehr konzentriert, wieder auf die Körperachtsamkeit zurück gekommen sind, ist dies ein Signal für unseren Geist, daß der Inhalt der Ablenkung für uns nicht mehr wichtig ist - denn wir haben die Beschäftigung mit dieser radikal abgebrochen.

 

Wenn wir diese Technik gelegentlich, minutenlang,stundenlang, tagelang fleißig immer wiederholt haben, werden wir nach relativ kurzer Zeit  schon erkennen, daß nur noch weniger, andere und schwächere Ablenkungen uns stören.

 

Die so erreichte Ruhe, ist dauerhaft. Das erloschene Leid kehrt nicht mehr zurück. Die im Körper gespeicherte Spannung entweicht. Wir fühlen uns leichter im Körper und freier im Geist, liebevoller im Leben.

 

Irgendwann ist keine Ablenkung mehr.            

 

Dann kommt neues Begehren ... jedoch hat man meist bis dahin schon erkannt, daß jedes neu geschaffene Begehren neuen Schmerz und damit neue Ablenkung schafft. 

 

Der völlige Austritt aus dem Rad des Leidens und des Lebens erfolgt ganz natürlich, wenn wir die Stille erreichen und bereit sind, im Leben zu sterben. Der Tod jeder Idee einer eigenen Persönlichkeit. ICH stirbt. Ich sterbe.